Das ABC der Charttechnik

Technische Aktienanalyse Teil 1: Kaffeesatzlesen an der Börse?

24. Januar 2016

Immer wieder beschäftigt Trader die Frage ob Technische Analyse tatsächlich funktioniert. Zugegebenermaßen wirkt es für Außenstehende etwas konfus, wenn Charttechniker von langen weißen Kerzen, doppelten Böden, Fibonacci-Folgen oder Elliot Wellen reden. Und doch, die Technische Analyse ist, allen Kritiken zum Trotz, schon lange ein fester Bestandteil des Tradings. Sie bezeichnet den Einsatz von berechenbaren Analyseinstrumenten wie Indikatoren und Oszillatoren. Die Chartanalyse geht dabei insbesondere auf visuelle Faktoren wie Chartmuster, Widerstände und Unterstützungen ein. In der folgenden dreiteiligen Serie beleuchten wir den theoretischen und wissenschaftlichen Hintergrund sowie die praktische Anwendbarkeit der technischen Analyse.

Wissenschaftliche Studien zur Technischen Analyse

Die Wissenschaft bemisst der Technischen Analyse keine große Bedeutung. Wesentlicher Kritikpunkt: Der sehr hohe objektive Interpretationsspielraum sowie die Tatsache, dass sich in effizienten Märkten Kursbewegungen in der Zukunft nicht auf Grundlage vergangener Kursdaten vorhersagen lassen. Eine Studie von Arvid. O. Hoffman und Hersh Shefrin aus dem Jahr 2014 („Technical Analysis and the Individual Investor“) bescheinigte Privatanlegern, die ausschließlich auf technische Analyseinstrumente setzten sogar deutlich schlechtere Renditen als anderen Anlegern. Nachteilig war insbesondere die Bereitschaft deutlich höheres Risiko einzugehen, bei gleichzeitig konzentrierteren Portfolios und häufigeren Handelsbewegungen.

Behavioural Finance und Self-fulfilling Prophecy

Zahlreiche Studien über die technische Aktienanalyse fußen auf der Grundlage effizienter Märkte. Doch dieses Fundament bröckelt seit geraumer Zeit. Vor allem aus einem Zweig der modernen  Wirtschaftsforschung kommt frischer Wind: Behavioural Finance – Eine Wissenschaft, die sich mit den Verhaltensanomalien der Anleger befasst. Diese eröffnet eine neue Perspektive, indem sie die Technische Analyse als Instrument betrachtet, irrationales Verhalten anderer Marktteilnehmer auszunutzen. Ein häufiges Argument, welches von Analyseanhängern in diesem Zusammenhang postuliert wird ist die Möglichkeit der selbst erfüllenden Prophezeiung. Demnach funktionieren die Tools der Technischen Analyse gerade deshalb, weil sie von vielen berücksichtigt werden. Entdecken Trader in ihrer Analyse offensichtliche Trendbewegungen, so folgen viele der gleichen Strategie.

Quo vadis?

Letztlich kommt es darauf an, das entsprechende Marktumfeld zu berücksichtigen und vor allem die passenden Basiswerte auszuwählen. Neben diesen grundlegenden Voraussetzungen gehört eine Menge Erfahrung und analytisches Geschick um mit den richtigen Tools das Marktgeschehen interpretieren zu können. Erfahrene Trader können sich somit auch im Vergleich zu Computerprogrammen und Studien einen entscheidenden Vorteil sichern, da sie mit festen Techniken, geschulten visuellen Wahrnehmung und dem notwendigen Marktverständnis Sachverhalte oft schneller für ihre Strategie bewerten können. Fakt ist aber auch: In einem so komplexen Gebiet wie dem der Kapitalmärkte kann es keine festen Regeln geben, die perfekt funktionieren – Denn dadurch würden sich diese vermutlich wieder selbst zerstören, da sie zu viele Marktteilnehmer nutzen wollen.

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